Geschichte des Rucksacks
Ötzis Kraxe wurde schon angesprochen. Dass bereits in der Jungsteinzeit (etwa 3300 Jahre vor Christus) Tragegestelle verwendet wurden, muss eigentlich nicht verwundern. Der Mensch entwickelte sich vom Jäger und Sammler zum sesshaften Landwirt. Schon für den Jäger und Sammler wird es logisch gewesen sein, gewisse Sachen auf dem Rücken zu tragen. Dies ist vielleicht einfach nur eine Weiterentwicklung von Hüft- oder Schultergurten, an denen man beispielsweise Waffen oder Jagdgut getragen hat. Der Vorteil der freien Hände und des ermüdungsfreien Tragens großer Lasten ist schnell nachvollziehbar.Die Geschichte des Rucksacks (als Teil der Uniform) fängt bei vielen Historikern etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts an, als die Landsknechtheere als Gelegenheitskrieger von Armeen bildenden Soldaten ersetzt wurden, die sich nur durch die einheitliche Ausbildung in Kampftechniken und dem Umgang mit Waffen zu relativ homogenen Gruppen formen ließen. Auch die Bekleidung, sprich Uniform, wurde einheitlich. Dazu gehörte auch die Verwendung einheitlicher Tragegeräte wie der Tornister, der beispielsweise für Verpflegung, Lagerausrüstung und Munition genutzt wurde.
Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Nutzung von Rucksack und ähnlichen Gerätschaften beim Militär schon wesentlich älter ist. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit rüsteten spätestens auch römische Kriegsherren ihre Soldaten mit relativ einheitlichen Tragegeräten aus. Soldaten waren in der Regel auf Wanderschaft und mussten ein gewisses Maß an Gegenständen für den Eigenbedarf selbst tragen, ohne dadurch beim Kampf behindert zu sein. Natürlich waren Soldaten keine Lastesel. Strategen wie Gnaeus Pompeius Magnus oder Gaius Julius Cäsar verstanden bereits soviel von Kriegskunst, dass sie wussten, wie entscheidend der gut organisierte Nachschub und die Versorgung der Soldaten zum Gelingen eines Kriegseinsatzes beitragen konnte. Ob diese Rücksäcke im heutigen Sinne gleichförmig waren, sei dabei dahingestellt. Doch es ist anzunehmen, dass man nicht erst im beginnenden 19. Jahrhundert begriffen hat, wie wichtig eine standardisierte Grundausrüstung für den Soldaten ist.
In der Zeit von der Renaissance bis zum Zweiten Weltkrieg wurde der Tornister des Soldaten immer weiter entwickelt. Immer umfangreicher war das Platzangebot. Der Brustriemen wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts beim preußischen Tornister eingeführt. Eine geniale Erfindung, die möglicherweise auch schon vor Jahrtausenden bekannt war. Die Last des nach hinten ziehenden Rucksacks wurde an den Oberkörper gebunden. Der Brustriemen erhöhte den Tragekomfort und ließ größere Lasten zu. Durch die Vereinheitlichung von Koppel und Munitionstasche zu einem System entfiel der Brustriemen im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder. Allerdings tauchte er gut 100 Jahre später bei Rucksäcken für den privaten Bereich wieder auf. Trecking-Rucksäcke sind beispielsweise zum Teil damit ausgestattet.
Der kaiserzeitliche Heerestornister, der um 1895 (Tornister M1895) eingeführt wurde, bestand aus einem mit Stoff verkleideten Holz- oder Geweberahmen und war bis in die 1930er Jahre hinein ein Renner. Während des Ersten Weltkrieges gab es aus Mangel an Leder die Sparversion mit grauem Baumwollstoff. Schon damals benannte man Dinge gern mit hochtrabenden Bezeichnungen, also sagte man schilfgrün statt grau. Der M1895 diente wie gehabt dem Transport von Wäsche und Verpflegung. Dazu mussten noch Ersatzstiefel hinein und kleine Fächer hielten Patronenpäckchen bereit. An den Rucksack wurden noch der graue Militärmantel (Ausführung 1887) und – bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges – die Zeltbahn M1892 in beige angebracht. Ab 1914 wechselte man deren Farbe in schilf und grau, Als weitere Ergänzung ließ sich mit zwei Lederriemen (naturfarben belassen) das Kochgeschirr M1910 (nierenförmig, schwarz lackiert) aufsetzen. Anfangs waren jegliche Metallteile der Rucksäcke noch aus Messing hergestellt worden. Für die Verbindungsnieten wurde vernickeltes Eisen verwendet. Aus Kostengründen stellte die Produktion im Laufe des Ersten Weltkrieges auf verzinktes, später auf lediglich lackiertes Eisen für alle Metallteile um. Auch beim Kochgeschirr und dessen Schnallriemen waren derartige Rationalisierungsmaßnahmen festzustellen. Die anfänglich aus Aluminium hergestellten Beschläge mussten nach und nach billigeren Eisenbeschlägen weichen, während das Leder für die Riemen ab 1915 geschwärzt wurde. Vorher hatte man sie natur belassen.
Dass die westdeutsche Polizei und der Bundesgrenzschutz noch bis in die 1980er Jahre schwarzlackierte Riemen mit Beschlägen aus Aluminium nutzte, belegt, wie innovativ die ersten 20 Jahre des 20. Jahrhunderts für die Entwicklung des Rucksacks als Teil der Uniform war.
Ab 1934 zeigte der neu eingeführte Tornister M34 die evolutionären Weiterentwicklungen des Rucksacks für den Militäreinsatz. Optisch waren Unterschiede kaum feststellbar, obwohl beispielsweise das sperrige Holzgestell weggelassen wurde. Auch das Modell M39 ab 1939 war fast identisch mit dem Vorgänger. Dabei kann man für alle Entwicklungsphasen des Militärtornisters feststellen, dass es keine einheitlichen Modelle gegeben hat, da es auch keine zentrale Manufaktur gab. Dieser Effekt zeigte sich unter anderem auch bei der zunehmend billigeren Produktionsweise während des Zweiten Weltkrieges. Wie im Ersten Weltkrieg sorgte ein starker Mangel an Rohstoffen für den Wechsel von hochwertigeren zu schlechteren Materialien und Stoffen.
Überlebt hat der Militärtornister in vielen Armeen als kleiner Stoffbeutel, der am Koppeltragegestell angebracht und in der deutschen Bundeswehr seit Beginn im Jahre 1955 „große Kampftasche“ genannt wird.