Rucksäcke

Rucksack

Ein handelsübliches Synonym-Wörterbuch stellt für das Wort Rucksack die Alternativen Ranzen, Reisesack und veraltet Felleisen bzw. umgangssprachlich Ränzel zur Verfügung. Dabei gibt es mittlerweile wesentlich mehr Begriffe, die diverse Gegenstände beschreiben, die funktional mit dem Rucksack gleichzusetzen sind. Bezeichnungen wie Kraxe, Blunse, Tornister, Kiepe und Rolle gehören beispielsweise dazu.
Im Wesentlichen geht es dabei um dieselbe Grundfunktion: Beim Rucksack und seinen Derivaten handelt es sich um eine Tragevorrichtung, bei der Lasten auf dem Rücken getragen werden, sodass die Hände frei bleiben und zugleich der Transport erleichtert wird. Im Groben sind auf jeden Fall zwei Formen zu unterscheiden.
- Kraxen (Urform des Tragegestells; wurde bei der Gletschermumie Ötzi gefunden, was bedeutet, das Rucksäcke bereits mindestens vor über 5000 Jahren im Gebrauch waren), Kiepen (auch Hotte genannt) und Packboards sind praktisch Tragegestelle.
- Abgesehen von der Bauform - beim Tragegestell ist das Gestell direkt mit dem Trageriemen verbunden, Stoffbezug kann über das Gestell gelegt sein - unterscheiden sich der übliche Rucksack und dessen Ableger vor allem darin, dass hier meist Platz für unterschiedlich große Utensilien geschaffen wurde. Der Rucksack beherbergt also kleine wie große Artikel in kleinen und großen Taschen, die zum Teil sogar für den Träger zugänglich sind, wenn der Rucksack getragen wird. Dies gilt allerdings nur eingeschränkt für kleine Rucksäcke, so genannte City-Rucksäcke, Bunsen oder Kurierrucksäcke.
Damit werden zusätzliche Funktionen deutlich. Ein Rucksack ist nicht einfach nur ein Tragegerät. Je nach Modell soll der Rucksack den Artikeln im Innern Schutz vor Stößen, Wettereinflüssen und Diebstahl gewähren. Andererseits sind die manchmal zahlreichen Außen- und Innentaschen dienlich, um ein gewisses Maß an Ordnung zu halten. Man kann sich dies vereinfacht an einem Fotorucksack verdeutlichen. Darin oder daran werden Kamera, Objektive, Akkus oder Batterien, Speicherkarten oder Filme, Reinigungszeug, Blitzlicht und vielleicht auch ein klappbares Stativ untergebracht. Damit der Zugriff bei plötzlich auftretendem Objekt nicht zu langwierig ist oder das lautstarke Gesuche das „Fotowild vertreibt“, sollen die einzelnen Gerätschaften und Utensilien schnell und einfach zugänglich sein.
Am Beispiel des Laptop-Rucksacks wird deutlich, wie wichtig eine passgenaue Form ist. Ist der Rucksack zu groß, kann ggf. das Gerät nicht vor dem Hin- und Herwackeln geschützt werden. Zu klein darf der Rucksack natürlich auch nicht sein.
Zu den Rucksäcken gehören auch Tornister und Schulranzen, die ihren Weg vom Soldaten des Kaiserreiches bis zum heutigen Pennäler gegangen sind.

Nicht militärischer Bereich

Es lässt sich durchaus ein Unterschied zwischen Rucksack und Tornister definieren, auch wenn beide Begriffe oft in der Alltagssprache synonym verwendet werden. Der Unterschied wird vor allem in der Praxis deutlich, wenn beide Tragevorrichtungen vom Rücken genommen werden. Der Rucksack ist oft für das zwischenzeitliche Abstellen auf dem Boden oder auf einer erhöhten Platte wie etwa einem Stuhl, einer Bank oder einem Tisch, recht instabil, während er Tornister hier sehr gute Steheigenschaften zeigt. Der Tornister ist also in sich solider und wird durch die Riemen auf dem Rücken getragen, während der Rucksack sich stärker am Körper anlehnt und durch ihn auch seine Stabilität bezieht. Für den langen Fußmarsch ist der Rucksack in der Regel komfortabler, da er dichter am Körper anliegt und damit nicht so nach hinten zieht. Andererseits ist der Tornister immer dann praktischer, wenn des Öfteren der Inhalt benötigt wird. Ein Tornister besitzt in der Regel auch einen guten Handgriff, der auch den längerfristigen Transport mit der Hand erlaubt. Die Unterschiede führten dazu, dass beispielsweise die 1896 in Berlin (Steglitz) gegründete Vereinigung Wandervogel, eine durch die Ideale der Romantik angeregte Bewegung bürgerlicher Schüler und Studenten, die in der Nazi-Zeit verboten wurde, den etwas merkwürdig ausschauenden Tornister zum begehrten Objekt emporhob. Die im Zeitraum von 1899 bis etwa 1908 begründete Pfadfinderbewegung, die heute weltweit aktiv ist, setzte von Anfang an auf den Rucksack. (Damit ließe sich jedoch keineswegs herleiten, dass der Rucksack für den dauerhaften Erfolg der Pfadfinderbewegung entscheidend gewesen wäre; vielleicht ließe sich der etwas befremdlich wirkende Tornister im nichtmilitärischen Alltag aber als Beispiel exklusiver Geisteshaltung beschreiben; der Erfolg der Pfadfinder beruht sicher auch auf den über jeden Zweifel erhabenen Verhaltenskodex, der durchaus als Maxime für ganze Gesellschaften dienen könnte).